Laszlo Bock “WORK RULES! Wie Google die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben verändert”

Da liegt es also vor mir: 360 Seiten, geschrieben von Laszlo Bock — Senior Vice President People Operations von Google, Inc. Der Titel: “WORK RULES! Wie Google die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben, verändert”. Ich erwarte ein Buch, das die erfolgreichen Wege im Bereich HR von Google zeigt und den Anspruch hat, dass sich die Ansätze auf andere Unternehmen erfolgreich übertragen lassen. Oder wie Bock sagt: “Das Erfolgsgeheimnis von Google im Umgang mit seinen Mitarbeitern lässt sich kopieren.” Zunächst bin ich ziemlich skeptisch, da der Best-Practice-Ansatz in Bereichen wie Personalmanagement selten zum Erfolg führt.

Laszlo Bock - WORK RULES!
Laszlo Bock – WORK RULES!

Das funktioniert eh nur bei Google — bei uns geht das nicht

Doch meinen Bedenken nimmt Bock sehr früh den Wind aus den Segeln und zeigt, wie reflexiv und offen-kritisch sie mit ihren eigenen Ansätzen umgehen.

Damit die Mitarbeiter zufrieden und HR-Maßnahmen sinnvoll sind sowie das Unternehmen attraktiv für Bewerber ist, braucht es eine grundlegende Überzeugung: “… dass Menschen im Grundsatz gut sind — und man braucht den Mut die eigenen Mitarbeiter so zu behandeln, als wären sie die Inhaber der Firma, nicht bloß Maschinen.” (S. 14)

Dazu zählt bei Google der Grundsatz “Default to open”. Alle Quellcodes, Roadmaps für Produkte, Veröffentlichungspläne, Ziele für einzelne Mitarbeiter und Gruppen sind für alle Mitarbeiter einsehbar. Und jeder kann öffentlich die Gründer und Geschäftsführer Larry Page und Sergey Brin zu allen möglichen Themen befragen.

Das sollte in jeden Unternehmen funktionieren oder?

Worauf sich viele Skeptiker in klassisch organisierten Unternehmen stürzen, sind die bekannten Rund-Um-Versorgungen und Einrichtungen von Google und meinen, das zeigt, dass Google eine ganz andere Unternehmenskultur hätte. Googlen Sie einmal nach “Unternehmenskultur Google” und Sie wissen was ich meine.

Bock stellt jedoch dar, dass es sich dabei nur um sichtbare Artefakte und nicht um die Unternehmenskultur handele. Das was man als Außenstehende wahrnimmt, ist das Ergebnis der Unternehmenskultur.

Und von Artefakten bekommt man als Leser in den folgenden Kapitel einige zu sehen und zu lernen.

Bock zeigt, wie sie hochqualifizierte Personen für ihr Unternehmen gewinnen und halten (und zeigt, welche groben Fehler sie auf dem Weg gemacht haben) und er stellt fundiert dar, wie schwierig Leistungseinschätzungen und die richtige Gehaltsfindung sind.

In Kapitel 11 stellt Bock einige der Dienstleistungen vor, die für Googler in unmittelbarer Firmennähe angeboten werden: Geldautomaten, Fahrradreparatur-Service, Autowäsche und Ölwechsel, Lieferservices von Bioprodukten u.v.m. Und die meisten Angebote kosten Google nicht einen Cent. Bock zeigt, dass es auf die Einstellung des Unternehmens ankommt und nicht aufs Budget.

Überhaupt schafft das Buch sehr gut die Brücke zwischen dem Anekdotischen und Fachlichen zu schlagen. Angesprochen fühlen dürfen sich definitiv personalverantwortliche Personen und Unternehmer. Wer mit Google wenig anfangen kann, wird vermutlich wenig Spaß am Lesen haben. Aber selbst dann empfehle ich ein Blick hinein – das Buch ist mehr als “nur” ein Erfahrungsbericht aus dem eigenen Unternehmen.

Für Leser, die noch tiefer in einzelne Konzepte steigen wollen, die Bock vorstellt, empfehle ich einen Blick in die Anmerkungen. Dort hat er vorbildlich 235 Fußnoten zusammengefasst.

Viel Spaß beim Lesen und verändern der Art und Weise, wie Sie arbeiten und leben werden.

Laszlo Bock (2016): WORK RULES! Wie Google die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben verändert.

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