“Zurück an die Arbeit!” von Lars Vollmer (Kurzrezension)

Ob ein Unternehmen überlebt oder nicht, hängt jedenfalls nicht davon ab, wie humanistisch oder politisch korrekt es ist, sondern ob die Rechnungen, die es schreibt, höher sind als die Rechnungen, die es bezahlen muss. So simpel ist das leider. (Lars Vollmer (2016), Zurück an die Arbeit, S. 91)

Das ist mein Lieblingszitat aus dem Buch und steht stellvertretend für Inhalt und Stil.

"Zurück an die Arbeit!" von Lars Vollmer
“Zurück an die Arbeit!” von Lars Vollmer

Zurück an die Arbeit (ZadA) ist Vollmers dritte Buchveröffentlichung. Wieder verschreibt er sich dem Umgang mit Komplexität und Wettbewerb. Während das Vorgängerbuch Wrong Turn Handlungs- und Denkfehler meist Einzelner aufdeckte, betrachtet ZadA das Unternehmen als Ganzes.

ZadA ist für die Zielgruppe sehr zugänglich. Vollmer hat im Storytelling noch eine Schippe drauf gelegt. Ob gedankliche Drohnenflüge durch Unternehmen, die Momentaufnahmen täglichen Business-Theaters zeigen oder neue Metaphern für Komplexität – die Bilder passen.

Eigentlich schade, dass ZadA nicht vor Wrong Turn erschienen ist. Nach Ende des Buches hätte ich ein “Und daran liegt’s im Einzelfall – und so kann es gehen!” erwartet. Wenn Sie beide Bücher noch nicht gelesen haben, empfehle ich diese Reihenfolge.

Geleitet aus eigenen Überzeugungen bin ich Vollmer dankbar, dass er nochmal das Thema “New Work” aufgreift. In meinem Blogprojekt The New Worker habe ich von Anfang an versucht klar zu machen, dass New Work am besten als eine Einstellung anzusehen sei:

New Work bezeichnet alle Bemühungen, den Status Quo der täglichen Arbeit und Wertschöpfung zu verbessern. (Link: http://www.the-new-worker.com/wie-new-work-unternehmen-und-wissensarbeitern-hilft/)

Es geht also nicht um einen Zielzustand oder eine gesteuerte Entwicklung in Richtung New Work – sondern einfach ein intelligenter Umgang mit aktuellen Herausforderungen.

Vollmer präzisiert:

Nicht die gute Methode, die Praktik macht das Team erfolgreich. Sondern ein Team entwickelt aus den aktuellen Notwendigkeiten und Gegebenheiten heraus eine Methode, eine Praktik – und ist damit unter Umständen erfolgreich. (Ebd. S. 156)

Ich widerspreche ihm jedoch in einem Punkt: Er behauptet, dass die New-Work-Perspektive die moralische Perspektive fokussiert. Das kann sein, das kann aber auch genau nicht so sein. Für beide Ansichten könnte ich Anekdoten liefern.

Wenn seine Annahme stimmt, bin ich mit der Schlussfolgerung wieder bei ihm. Äußere Referenz (Kunde, Markt) geht vor innere Referenz (Steuerung, Moral).

Ich wünsche Lars Vollmer viele Leser/innen. Das Buch hat es (mal wieder) verdient.

2 comments

Ich glaube nicht, dass sich das an Moral im engeren Sinn fest machen lässt. Ich denke hier eher an Kommunikations”moral”. Letztendlich sind ja die beschriebenen Werkzeuge (laberrunden) nur eine Reaktion auf nicht vorhandene Kommunikation. Warum braucht jemand einen Zirkel um mit seinen Mitarbeitern zu reden? Das liegt doch eher an der Entfremdung des Managers zu dem von ihm zu managenden Team. Wieso muss ich als “Kopf” Berater zur Herstellung des direkten Kontaktes zu meinen Mitarbeitern hinzuziehen? Genau da liegt doch eigentlich schon der erste Konflikt in mir selber als Führungskraft. War ich denn vorher schon bereit mit meinen Mitarbeitern zu reden? Nein – weil es die Hirarchie nicht zugelassen hätte – meine “Vorarbeiter” oder wie auch immer, arbeiten ja in meinen Sinne – oder etwa nicht. So – und jetzt den Gedanken zuzulassen dass das eben nicht so ist, ist für mich die Herausforderung. Ich hab diese Personen in diesen Stand gehoben – kann ich dann evtl. auch einsehen, dass das ein Fehler meinerseits war? Ich denke da fängt dieser Diskurs eigentlich an…

Nun hab ich an der Stelle aber einen Fehler gemacht. Würde die Lösung von sich kurzfristig bzw. neu ergebender Probleme durch direkte und sachbezogene Diskussion ergeben – dann würde ja ein aktuell hoch angesehener Wirtschaftszweig, dessen Hauptintensenion zum Selbsterhalt die ist, nochmals Geld aus der Wertschöpfungskette abzugreifen zu müssen, da er selber ja nicht produktiv ist, ad absurdum zu führen. Das anzugreifen kann schon deshalb nicht funktionieren, da ich als Führungskraft ja niemals die Geister die ich rief als “schädlich” anzusehen. Da muss ich eher Kosten reduzieren. Das kann ich im Einkauf nur begrenzt, im Energieverbrauch auch. Damit kann ich eigentlich nur noch eine Bank gründen, über die ich die Gehälter auszahle und den Mitarbeitern evtl. notwendige Kredite gewähre und dann durch den Rückfluss des Kapitales via Tilgung und Zinsen meine Gestehungskosten schön rechne, da ja der Mitarbeiter xEuro pro Stunde bekommt – aber yEuro sowieso an mich zurück zahlen muss. Damit komme ich auf Zahlungen unter dem Mindestlohn…….

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